November 2009
Der Bastard – Der Fürsorgezögling
Stangl, Franz Josef
Weitra: Bibliothek der Provinz. 2009. 244 S.

Abgeschoben zu werden, ist für ein Kind wohl unerträglich. Niemanden zu haben, der Schutz, Zuversicht, Zuneigung und Unterstützung anbietet, die auf positiver Bindung beruhen, ist so schlimm, dass es für jemanden, der diese Verlassenheit zu spüren bekommt, zutiefst traumatisierend sein muss. Der Autor hat sich seine Erfahrungen von der Seele geschrieben.
Er charakterisiert Menschen und Milieus mit der Präzision eines Skalpells und mit der Akribie eines Betroffenen, der weiß, wovon er schreibt. Die Gedankenwelt von Franz Stangl ist nicht immer gewaltfrei, bei weitem nicht, sie ist aber immer authentisch und sie offenbart einen Wirklichkeitsbezug, der am Rande des Erträglichen ist.
Die 50er Jahre werden durch die vorgelegte biographische Dokumentation zu einem unheilvollen Leben erweckt und ihre Darstellung wird wohl bei all denen, die diese Zeit noch erlebt haben, sehr persönliche Erinnerungen wecken. Bei jenen, die keinen Bezug zu diesen Jahren haben, mögen die Ausführungen zu mehr Verständnis für Menschen führen, die in dieser Zeit ihre Kindheit zu bewältigen hatten. Dieser Roman ist keine leichte Kost, aber immer eindrucksvoll.

Christian Vielhaber 

 

August 2009
Und ich war nie in der Schule
André Stern

André Stern, 1971 in Paris geboren, ist Musiker, Komponist, Gitarrenbaumeister und hat es darüber hinaus in anderen Gebieten zur Meisterschaft gebracht. Das Erstaunliche ist, er ist nie zur Schule gegangen, denn in Frankreich gibt es keine Schulpflicht.
Mit diesem Buch erzählt er seine Geschichte, einen für die meisten von uns außergewöhnlichen Lebensbericht.Die Fülle seines kindlichen Alltags war geprägt von einem entspannten Umfeld, abseits von jeglichem Leistungsdruck, alle Möglichkeiten, etwas zu lernen, konnten spielerisch ergriffen werden und wurden im, für einen grossen Freundeskreis offenen, familiären Umfeld zugänglich gemacht.
Sein Vater Arno Stern sagt u.a.: „Wir haben uns nie die Frage gestellt, ob unsere Art, mit unseren Kindern zu leben, die richtige war oder ob wir unrecht hatten, es unserem Umfeld nicht gleichzutun. …“
Das Buch ist vollkommen unpretentiös geschrieben, Stern schildert seine Erlebnisse lebendig und charmant, ohne jeden Anspruch eine Anleitung zum Nonkonformismus oder ein Patentrezept vermitteln zu wollen. Herrlich!

 

 

 

 

Juni 2009
Warum unsere Kinder ein Glück sind
Wolfgang Bergmann

Wir haben an dieser Stelle das Buch von Michael Winterhoff „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“ besprochen und für gut befunden.
Nun erschien kürzlich als Antwort darauf von Wolfgang Bergmann der Titel „Warum unsere Kinder ein Glück sind“.
Bergmann spricht sich darin gegen den wieder in Mode gekommenen Ruf nach Disziplin, Ordnung, Autorität und Hierarchie in der Erziehung aus. Er plädiert für mehr Freude, Vergnügen und Herz beim Erziehen, und dafür, das Augenmerk auf das Glück zu lenken, das Kinder für   Eltern und die Gesellschaft darstellen.
Er führt dabei viele Tipps und Beispiele aus dem Familienleben an und beim Lesen kommt einem oft der Gedanke „Ja, genau, so geht’s“.

Eigentlich soll man Winterhoff und Bergmann im Doppelpack lesen!

 

 

Juli 2009
Auf Schatzsuche bei unseren Kindern
Jirina Prekop und Gerald Hüther

Der Kinderpsychologin Jirina Prekop und dem Hirnforscher Gerald Hüther ist mit „Auf Schatzsuche bei unseren Kindern“ ein wirkliches „Schatzbuch“ gelungen!
Sie zeigen Eltern, ErzieherInnen und LehrerInnen an vielen lebendig geschilderten Alltagssituationen, welche Schätze jedes Kind in sich trägt.
Die erklärenden Ausführungen im Anschluß an die jeweilige Geschichte sind unglaublich interessant, weil sie Einblick in die Abläufe zwischen Gehirn und Körper geben.
„Wir geben uns oft grosse Mühe, unseren Kindern eine Freude zu bereiten und übersehen dabei allzu leicht, was Kinder mehr als all unsere Geschenke brauchen.
… Mehr als alles andere brauchen Kinder unsere Liebe. Sie wollen so, wie sie sind, wahrgenommen, angenommen und wichtig genommen werden. Nur dann haben sie das Gefühl, bei uns geborgen zu sein, dazuzugehören. Aber warum ist dieses Gefühl so wichtig? Ganz einfach: Geborgenheit und Angenommensein führt dazu, dass all das im Gehirn zur Ruhe kommt, was dort in den verschiedenen Bereichen an unterschiedlichen Aktivitäten, an durcheinander kommenden und sich chaotisch ausbreitenden Erregungsprozessen zwangsläufig immer wieder entsteht, wenn Kinder mit all den vielen Wahrnehmungen konfrontiert werden, die sie ja noch gar nicht kennen und noch nicht sicher zuordnen können. … Mit anderen Worten: Im Gehirn unserer Kinder ist viel häufiger als bei uns „der Teufel los“, und es fällt ihnen viel schwerer als uns, dort wieder aus eigener Kraft für Ruhe und Ordnung zu sorgen.“ So Gerald Hüther nach der Geschichte „Das Geburtstagsgeschenk“.
Eine bereichernde Lektüre, auch für Nicht-Erzieher!

 

 

 

Mai 2009
Schülerjahre
Remo H. Largo 
Schülerjahre


Professor Remo H. Largo, von dem die meisten von uns die Bücher „Babyjahre“ und „Kinderjahre“ kennen und schätzen,gibt in seinem neuen Buch Auskunft darüber, wie Kinder sich entwickeln, wie können sie am besten lernen, was können. Eltern tun, was soll sich in der Schule ändern?
Die klugen Fragen stellt Martin Beglinger, der Redakteur beim Magazin des Tages-Anzeigers in Zürich ist. Das Buch ist in drei Teile gegliedert. So befassen sich Teil I und II mit dem Kind und seiner Entwicklung, in Teil III wird herausgearbeitet, was die zuvor gewonnenen Erkenntnisse für Schule, Eltern und Gesellschaft bedeuten.

Im Zentrum steht die grosse Vielfalt in der kindlichen Entwicklung und die sich daraus ergebende pädagogische Herausforderung. Durch die Frage-und-Antwort-Technik ist die Lektüre kurzweilig und bietet die Möglichkeit, quer ins Buch einzusteigen!

 

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